SPD reinigte am 9. November wieder Stolpersteine

25/03/2026

Stolperstein

Den 9. November, ein für Deutschland in mehrfacher Hinsicht historisches Datum, nahm die Sylter SPD zum Anlass, der Opfer der NS-Diktatur auf der Insel zu gedenken. Die Sozialdemokraten nutzten die Gelegenheit zu ganz praktischer Erinnerungskultur und reinigten unter anderem die vier „Stolpersteine“, die in Westerland auf das Schicksal der aktiven SPD-Mitglieder, die wegen ihrer Überzeugung verfolgt wurden, aufmerksam machen. Gerd Nielsen, die Gemeindevertreter Peter Marnitz und Joachim Schweitzer machten sich zusammen dem aktiven Fraktions-Mitglied Claudia Howold, um die vom Künstler Gunter Demnig 2007 und 2009 verlegten „Stolpersteine“ wieder in Würde glänzen zu lassen.

Der zweite Stolperstein, der gereinigt wurde, liegt in der Kjerstraße 14 und erinnert an den 1895 in Westerland geborenen Carl August Quaas. Nach seiner gescheiterten Auswanderung in die USA macht er im elterlichen Betrieb eine Schlachterlehre und kehrte nach dem 1. Weltkrieg auch wieder zurück in die Schlachterei. Neben seinem Beruf und seiner Aufgabe als Vater von sieben Kindern engagiert sich Quaas politisch bei der SPD. 1933 wird er in die Westerländer Stadtverordnetenversammlung gewählt. Das war für das NS-Regime Grund genug, ihn im August 1944 zusammen mit sechs anderen Syltern zu verhaften und schließlich im KZ Neuengamme einzusperren. Nach der Auflösung des KZ im April 1945 werden die Häftlinge nach Lübeck auf die „Cap Arcona“ gebracht. Das Schiff wird am 3. Mai 1945 von englischen Flugzeugen, die das Schiff für einen Truppentransporter halten, versenkt. Carl Quaas kommt dabei ums Leben.

Die dritte Station der SPD-Gruppe liegt an der Johann-Möller-Straße 20 und erinnert an das Schicksal von Carl Christian Jessen, der 1882 in Morsum geboren wurde. Der gelernte Schmied arbeitet bis in die 1920er Jahre als Lokführer und steigt dann erfolgreich in das aufblühende Tourismus-Geschäft ein. Er betrieb mehrere Gästehäuser, unter anderem das „Haus Nordmark“ und das benachbarte „Haus Nordwacht“. Unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg tritt er in die SPD ein und wird Stadtverordneter in Westerland. Das bleibt er bis zur letzten freien Wahl 1933. Im August 1944 teilt er das Schicksal sechs weiterer Sylter und wird von der Gestapo verhaftet und ins KZ Neuengamme gesperrt. Hier verliert sich seine Spur. Es ist nicht bekannt, ob er den Fußmarsch nach Lübeck nicht überlebte oder mit der „Cap Arcona“ unterging.

Der vierte Stolperstein, dessen Inschrift von den Sozialdemokraten gereinigt wurde, liegt am Seedeich und erinnert an den 1900 in Tinnum geborenen Max Feddersen. Seit den 1920er Jahren arbeitet er bei der Sylter Inselbahn. 1933 wird er als SPD-Vertreter in den Westerländer Stadtrat gewählt. Dies scheint allein der Grund gewesen zu sein, dass er im August 1944 zusammen mit sechs weiteren Syltern von der Gestapo verhaftet wird und schließlich ins KZ Neuengamme gebracht wird. Nach der Auflösung des KZ im April 1945 werden die Häftlinge nach Lübeck auf die „Cap Arcona“ gebracht. Feddersen stirbt wie Carl Quaas am 3. Mai 1945 bei der Versenkung des Schiffes. Max Feddersen, der nicht schwimmen konnte, ertrank in der Ostsee.

Nähere Informationen über alle Stolpersteine kann man der Internet-Seite https://gemeinde-sylt.de/stolpersteine/ entnehmen.

 

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