Brief zur Stolpersteinniederlegung – Nico Ehlers – 01.07.2020

Artikel in der SHZ:

Blankpolierte Erinnerung
Als Sozialdemokrat Niko Ehlers kämpfte gegen die Nazis und dann gegen das Vergessen. Ein Stein vorm Rathaus ehrt ihn nun dafür Simon Frost SYLT Wenn sich Leid bemessen ließe, dem Sylter Nikolaus Ehlers wäre doppeltes widerfahren. Nachdem der Sozialdemokrat zunächst die Haft durch die Nazis im Konzentrationslager Sachsenhausen überlebt hatte, vernichteten die Schatten der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft sein politisches Leben mehr als ein Jahrzehnt später ein zweites Mal.

Seit dem gestrigen Mittwoch, mehr als 61 Jahre nach seinem Tod, erinnert ein Stolperstein vor dem Westerländer Rathaus an Ehlers. „Niko Ehlers Eintreten für Menschlichkeit und Gerechtigkeit hatte einen hohen Preis“, sagte Gerd Nielsen als Mitglied der SPD-Fraktion, nachdem der Kölner Künstler Gunter Demnig den Stein direkt vor dem Haupteingang des Rathauses verlegt hatte.

Ehlers Tochter Marianne Nielsen erinnerte unter anderem an die politische Stimmung nach dem Krieg – auf Sylt, aber auch im gesamten Land. „Ende der 1950er Jahre hatte die Aufarbeitung der NS-Zeit in Deutschland noch nicht begonnen“, sagte sie. „Mein Vater war in diesem Zusammenhang wohl nicht sehr bequem.“

Anders als die meisten der durch einen Stolperstein Geehrten hatte Ehlers die Gewaltherrschaft der Nazis überlebt – und wurde dann ein zweites Mal zur unerwünschten Person auf Sylt.

Nach kritischen Äußerungen gegenüber den nationalsozialistischen Herrschern sitzt er ab 1940 in Untersuchungshaft und von 1942 an im Konzentrationslager Sachsenhausen ein. Der Sozialdemokrat überlebt knapp: Bei seiner Befreiung habe er keine 50 Kilogramm gewogen, schildert Marianne Nielsen.

Nach Kriegsende engagiert Ehlers sich wieder für die SPD auf seiner Heimatinsel – und wird als Stadtvertreter zu einer Schlüsselfigur im Skandal um den damaligen Bürgermeister Heinz Reinefarth. Ende der 50er Jahre gibt es Hinweise darauf, Reinefarth könne an der blutigen Niederschlagung des Warschauer Aufstands im Oktober 1944 maßgeblich beteiligt gewesen sein. Ehlers beantragt daraufhin dessen Beurlaubung.

Er scheitert – auch weil Teile der Sylter SPD hinter dem ehemaligen SS-Mann Reinefarth stehen. Für Ehlers Position habe es damals keine Mehrheit im Vorstand und in der Fraktion gegeben, weiß SPD-Mann Nielsen. „Auch wenn er nicht allein stand und die Abstimmungen knapp ausfielen, können wir diese Entscheidungen aus heutiger Sicht nicht nachvollziehen und ein Schamgefühl bleibt.“

Im Februar 1958 zieht Niko Ehlers die Konsequenzen aus der politischen Niederlage. Er legt alle Parteiämter nieder und „verlasse das, was er als sein Lebenswerk betrachtet habe“, wie es in einer Protokollnotiz von damals heißt. Wenige Monate später kommt er bei einem Autounfall ums Leben.

Sie hätte gern mehr mit ihrem Vater über seine Erlebnisse geredet, bekannte Marianne Nielsen am Mittwoch. Der Stolperstein markiere umso mehr einen wichtigen Moment für sie. „Ich kann nun mit seiner Geschichte abschließen.“
(von shz.de)

Sylter Rundschau vom 25.04.2020:
Aufatmen bei Saisonkräften

Sylter Leserforum
Billige Kritik am Johanniterheim

Zum Bericht „Johanniter ziehen die Notbremse“, Ausgabe vom 1. Februar

Seit etwas über drei Jahren bin ich Bewohner des Johanniterheims in Westerland, und in den vergangenen Monaten habe ich daher Auslassungen des Herrn Schmidt zur Arbeit des Ordens auf Sylt verfolgt. Ich will es mal höflich ausdrücken: Das Ganze hat mich nicht unwesentlich verstimmt. Sowohl in den Printmedien als auch in den sozialen Netzwerken wird ein Bild unseres Johanneums gezeigt, das schlicht falsch ist.

Obwohl ich selbstverständlich von der fachlich-sachlichen Erfahrung des Herrn auf dem Gebiet der Altenpflege restlos überzeugt bin, grenzt es nahezu an Rufmord, was hier abläuft. Ich zitiere kurz sinngemäß aus einem der Facebook-Sätze vom vergangenen Jahr: Man sollte die Johanniter „zwingend von der Insel jagen…, um überhaupt wieder nachhaltig und sicher Pflegeplätze für unsere insularen Senioren aufrecht erhalten und vor allem neu erreichten [sic] zu können!“ – Für mich ist das billig, polemisch, degoutant.

Man sollte in derartigen Fällen nicht wortgewaltig und vollmundig großartige Negativ-Propaganda versprühen, sondern sich vor Ort schlau machen. Ich kann mich allerdings nicht entsinnen, Herrn Schmidt jemals hier im Johanneum gesehen zu haben. Wie kann er dann also beurteilen, wie dieses Haus funktioniert oder in welcher Atmosphäre wir leben? Vielleicht sollte er erst mal uns Bewohner ansprechen, mit dem Pflegepersonal reden oder mal ein paar Stunden zusehen, wie hier gearbeitet, ja geschuftet wird?

Wir wissen es alle: Der Pflegenotstand ist ein bundesweites Phänomen. Politik ist in Deutschland bekanntlich häufig nur noch Verwaltung von Mängeln; und in unserem Falle wird der effektive Umgang mit diesen Mängeln dem Johanneum allein überlassen, dessen Mitarbeiter jeden Tag und jede Nacht mit Stress, Ausnahmesituationen und dazu noch bösartiger Häme klarkommen müssen. Sie tun dies, soweit ich es beurteilen kann, nach bestem Wissen und Können. Darum bringt es uns allen herzlich wenig, wenn wir ständig lesen dürfen oder auch darauf angesprochen werden, was das Heim für ein mieser Laden ist. Wir brauchen wirklich nicht die ständige Negativ-Werbung aus persönlichem oder parteipolitischem Interesse; dem Haus jedenfalls und seinen Menschen hilft sie nämlich nicht!

Nur ein Letztes noch: Nein, dieser Beitrag ist kein bestellter Fake, er ist echt, und ich wurde dafür auch nicht mit einem Extrastück Torte am vergangenen Sonntag belohnt.

Peter Brüdgam, Westerland

Intern