Praktische Erinnerungskultur

Der erste Stein unmittelbar vor dem Westerländer Rathaus erinnert an den 1907 in Westerland geborenen Nikolaus Ehlers. Der Postbeamte trat 1931 in die SPD ein. Es waren kritische Äußerungen zum NS-Regime, die ihn ins Gestapo-Gefängnis und später ins KZ Sachsenhausen brachten. Er überlebte das Lager nur knapp und wurde später Gemeindevertreter in Westerland. Ehlers war es auch, der 1957 die Beurlaubung des Bürgermeisters Heinz Reinefahrt forderte, als dessen verwerfliche Rolle bei der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes bekannt wurde. Der Antrag wurde übrigens abgelehnt. Ehlers starb 1958 bei einem Unfall.

Gerd Nielsen und Claudia Howold

Der zweite Stolperstein, der gereinigt wurde, liegt in der Kjerstraße 14 und erinnert an den 1895 in Westerland geborenen Carl August Quaas. Nach seiner gescheiterten Auswanderung in die USA macht er im elterlichen Betrieb eine Schlachterlehre und kehrte nach dem 1. Weltkrieg auch wieder zurück in die Schlachterei. Neben seinem Beruf und seiner Aufgabe als Vater von sieben Kindern engagiert sich Quaas politisch bei der SPD. 1933 wird er in die Westerländer Stadtverordnetenversammlung gewählt. Das war für das NS-Regime Grund genug, ihn im August 1944 zusammen mit sechs anderen Syltern zu verhaften und schließlich im KZ Neuengamme einzusperren. Nach der Auflösung des KZ im April 1945 werden die Häftlinge nach Lübeck auf die „Cap Arcona“ gebracht. Das Schiff wird am 3. Mai 1945 von englischen Flugzeugen, die das Schiff für einen Truppentransporter halten, versenkt. Carl Quaas kommt dabei ums Leben.

Jens Husmeier

Die dritte Station der SPD-Gruppe liegt an der Johann-Möller-Straße 20 und erinnert an das Schicksal von Carl Christian Jessen, der 1882 in Morsum geboren wurde. Der gelernte Schmied arbeitet bis in die 1920er Jahre als Lokführer und steigt dann erfolgreich in das aufblühende Tourismus-Geschäft ein. Er betrieb mehrere Gästehäuser, unter anderem das „Haus Nordmark“ und das benachbarte „Haus Nordwacht“. Unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg tritt er in die SPD ein und wird Stadtverordneter in Westerland. Das bleibt er bis zur letzten freien Wahl 1933. Im August 1944 teilt er das Schicksal sechs weiterer Sylter und wird von der Gestapo verhaftet und ins KZ Neuengamme gesperrt. Hier verliert sich seine Spur. Es ist nicht bekannt, ob er den Fußmarsch nach Lübeck nicht überlebte oder mit der „Cap Arcona“ unterging.Der vierte Stolperstein, dessen Inschrift von den Sozialdemokraten gereinigt wurde, erinnert an den 1900 in Tinnum geborenen Max Feddersen. Seit den 1920er Jahren arbeitet er bei der Sylter Inselbahn. 1933 wird er als SPD-Vertreter in den Westerländer Stadtrat gewählt. Dies scheint allein der Grund gewesen zu sein, dass er im August 1944 zusammen mit sechs weiteren Syltern von der Gestapo verhaftet wird und schließlich ins KZ Neuengamme gebracht wird. Nach der Auflösung des KZ im April 1945 werden die Häftlinge nach Lübeck auf die „Cap Arcona“ gebracht. Feddersen stirbt wie Carl Quaas am 3. Mai 1945 bei der Versenkung des Schiffes. Max Feddersen, der nicht schwimmen konnte, ertrank in der Ostsee.

Nähere Informationen über alle Stolpersteine kann man der Internet-Seite https://gemeinde-sylt.de/stolpersteine/ entnehmen.

Peter Marnitz